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Adipositas ist behandelbar. Ihr Weg beginnt mit einem Gespräch.

Adipositas ist eine chronische Krankheit, keine Frage der Willenskraft. Hier finden Sie verständlich erklärt, was im Körper passiert, welche Behandlungen wirken und wie moderne Medikamente wie Semaglutid, Tirzepatid und Liraglutid helfen können.

  • Medizinisch fundiert
  • Für Österreich
  • Stand: September 2026
Eine lächelnde Frau mit Adipositas steht im Abendlicht an einem Geländer, im Hintergrund ein Fluss und die Stadt.

5 %weniger Körpergewicht verbessern bereits Blutdruck, Blutzucker und Blutfette.

Adipositas ist eine Krankheit – und Sie sind nicht allein damit

Kurz gesagt

Adipositas ist eine chronische, fortschreitende Erkrankung mit zu viel Körperfett. Sie beginnt ab einem BMI von 30 und betrifft in Österreich fast jede fünfte erwachsene Person.1,2

Viele Menschen mit Adipositas haben schon unzählige Diäten hinter sich. Dass das Gewicht danach oft zurückkommt, liegt nicht an fehlender Disziplin: Der Körper verteidigt sein Gewicht aktiv, mit Hormonen, die Hunger verstärken, und einem Stoffwechsel, der auf Sparflamme schaltet.20

Deshalb sehen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Österreichische Adipositas Gesellschaft (ÖAG) Adipositas als Krankheit, die wie Bluthochdruck oder Diabetes langfristig ärztlich begleitet werden sollte.1,3 Das ist eine gute Nachricht: Für Krankheiten gibt es Behandlungen.

Wie wird Adipositas eingeteilt?

Grundlage ist der Body-Mass-Index (BMI): Gewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. Ab 25 spricht man von Übergewicht, ab 30 von Adipositas Grad I, ab 35 von Grad II und ab 40 von Grad III.1 Weil der BMI Muskeln und Fett nicht unterscheidet, schauen Ärzt:innen zusätzlich auf den Taillenumfang, Begleiterkrankungen und Ihr Wohlbefinden.

Österreich hat zugenommen: Anteil der Erwachsenen mit Adipositas

2006/072019
Quelle: Österreichische Gesundheitsbefragungen, ausgewertet von Dorner et al. 2023.2

Warum entsteht Adipositas?

Adipositas hat nie nur eine Ursache. Gene, Hormone, Umfeld und Lebensumstände wirken zusammen – vieles davon können Sie nicht beeinflussen.

Kurz gesagt

Zwillingsstudien zeigen: Die erbliche Veranlagung erklärt etwa 40 bis 70 Prozent der Unterschiede im Körpergewicht zwischen Menschen.19 Der Rest hängt stark vom Umfeld ab.

  • Hunger- und SättigungssignaleBei Adipositas senden Darm und Fettgewebe Sättigungssignale oft schwächer ans Gehirn. Man wird später satt und schneller wieder hungrig.
  • Fettzellen, die nicht mehr richtig speichernÜberforderte Fettzellen lagern Fett an Organen wie Leber und Herz ab. Das fördert Entzündungen und Stoffwechselstörungen.1
  • Schlaf und StressZu wenig Schlaf und dauerhafter Stress verändern Hormone wie Cortisol und Ghrelin – der Appetit steigt.
  • Medikamente und ErkrankungenManche Antidepressiva, Kortison, Insulin oder eine Schilddrüsenunterfunktion können das Gewicht erhöhen. Lassen Sie das ärztlich prüfen.
  • UmfeldGünstige, stark verarbeitete Lebensmittel, Arbeit im Sitzen und wenig sichere Bewegungsräume machen Zunehmen leicht und Abnehmen schwer.
  • LebensphasenSchwangerschaft, Wechseljahre, Rauchstopp oder Schichtarbeit sind typische Zeiten, in denen sich das Gewicht verändert.

Was Adipositas für Ihre Gesundheit bedeutet

Adipositas hängt mit über 200 Begleiterkrankungen zusammen. Das klingt beängstigend – doch viele davon lassen sich durch Gewichtsabnahme deutlich verbessern.

über 3-facherhöhtes Risiko für

  • Typ-2-Diabetes und Insulinresistenz
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Fettleber (MASLD)
  • Schlafapnoe
  • Gallensteine

2- bis 3-facherhöhtes Risiko für

  • Koronare Herzkrankheit
  • Bluthochdruck
  • Kniearthrose
  • Gicht
  • Sodbrennen (Reflux)

1- bis 2-facherhöhtes Risiko für

  • Bestimmte Krebsarten
  • Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS)
  • Hüftarthrose und Rückenschmerzen
  • Fruchtbarkeitsstörungen

Einteilung nach WHO; Risiken gegenüber Menschen mit Normalgewicht.18

Jedes Kilo zählt: Was schon wenig Gewichtsverlust bewirkt

Sie müssen nicht Ihr „Idealgewicht“ erreichen, um gesünder zu werden. Die Vorteile wachsen Stufe für Stufe.14

5 %

Blutdruck, Blutzucker und Blutfette verbessern sich. Das Risiko für Typ-2-Diabetes sinkt.

10 %

Zusätzlich profitieren oft Schlafapnoe, Kniegelenke, Sodbrennen und eine entzündete Fettleber. Das Herz-Kreislauf-Risiko sinkt.

15 %

Ein Typ-2-Diabetes kann in Remission gehen, und das Sterberisiko sinkt.

Ihr BMI und Ihre persönlichen Etappenziele

Geben Sie Größe und Gewicht ein. Sie sehen Ihren BMI und, wie viele Kilo 5, 10 und 15 Prozent für Sie bedeuten. Ihre Daten bleiben auf Ihrem Gerät und werden nicht gespeichert.

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So wird Adipositas behandelt

Kurz gesagt

Grundlage ist immer eine multimodale Therapie aus Ernährung, Bewegung und Verhalten. Reicht das nicht, kommen Medikamente oder eine Operation dazu.1

Das ÖAG-Konsensuspapier 2025 empfiehlt einen Stufenplan, der sich an Ihrem BMI, Ihren Begleiterkrankungen und Ihren persönlichen Zielen orientiert.1 Wichtig: Es geht nicht in erster Linie um eine Zahl auf der Waage, sondern um mehr Gesundheit und Lebensqualität.

Die WHO hat 2025 erstmals eine Leitlinie zu GLP-1-Medikamenten veröffentlicht. Sie empfiehlt diese Wirkstoffe für Erwachsene mit Adipositas zur Langzeitbehandlung – als bedingte Empfehlung, weil Daten über viele Jahre noch fehlen.3

Eine Frau mit Adipositas geht mit Stirnband und Sportkleidung zügig an einem See entlang und lächelt.
Bewegung ist ein Grundpfeiler jeder Behandlung – ein flotter Spaziergang ist ein guter Anfang.
  1. Basistherapie

    ErnährungBewegungVerhalten

    Mit Diätolog:innen, Bewegungsfachleuten und psychologischer Unterstützung. Realistisch sind im Mittel rund 5 Prozent Gewichtsabnahme – individuell auch mehr.1

  2. Medikamente zusätzlich

    Ab einem BMI von 30 oder ab 27 mit Begleiterkrankung. Moderne Wirkstoffe erreichen in Studien im Mittel mehr als 10 Prozent Gewichtsabnahme.4

  3. Adipositas-Chirurgie

    In der Regel ab BMI 40 oder ab 35 mit Begleiterkrankungen, etwa Magenbypass oder Schlauchmagen. Möglich sind rund 20 bis 30 Prozent Gewichtsabnahme.1

  4. Langzeitbegleitung

    Wie bei jeder chronischen Krankheit braucht es regelmäßige Kontrollen, um das Erreichte zu halten und Rückfälle früh zu erkennen.

Moderne Medikamente bei Adipositas

Seit einigen Jahren gibt es Wirkstoffe, die gezielt dort ansetzen, wo Adipositas entsteht: bei den Hunger- und Sättigungshormonen. Hier finden Sie einen sachlichen Überblick über alle in Österreich relevanten Präparate.

So wirken GLP-1-basierte Medikamente

GLP-1 ist ein Hormon, das Ihr Darm nach dem Essen ausschüttet. Die Medikamente ahmen es nach – Tirzepatid zusätzlich das Hormon GIP. Das hat drei Effekte:

Im Gehirn

Das Sättigungszentrum wird aktiviert. Sie sind früher satt und denken seltener ans Essen.

Im Magen

Der Magen entleert sich langsamer. Das Sättigungsgefühl hält länger an.

Im Stoffwechsel

Die Bauchspeicheldrüse gibt passend zum Essen Insulin ab. Der Blutzucker wird stabiler.

Überblick: zugelassene und neue Präparate (Stand: 11. September 2026)
PräparatWirkstoff & FormZulassung in der EUMittlere Gewichtsabnahme in Studien*Gut zu wissen
Saxenda®Novo NordiskLiraglutid (GLP-1), Spritze täglich, bis 3,0 mgAdipositasca. 8 % nach 56 Wochen (Placebo 2,6 %)6Ältester Wirkstoff mit langer Erfahrung; auch ab 12 Jahren zugelassen
Wegovy®Novo NordiskSemaglutid (GLP-1), Spritze wöchentlich, 2,4 mg oder 7,2 mgAdipositasca. 15 % mit 2,4 mg nach 68 Wochen5; ca. 21 % mit 7,2 mg10Senkt nachweislich Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko bei bestehender Herzerkrankung9
Wegovy® TabletteNovo NordiskSemaglutid (GLP-1), Tablette täglich, 25 mgAdipositas, seit Juli 2026ca. 13,6 % nach 64 Wochen (Placebo 2,2 %)11Nüchtern mit wenig Wasser einnehmen, danach 30 Minuten warten
Ozempic®Novo NordiskSemaglutid (GLP-1), Spritze wöchentlich, bis 2,0 mgnur Typ-2-Diabetesnicht für Gewichtsreduktion geprüftNicht zur Behandlung von Adipositas zugelassen (siehe unten)
Mounjaro®Eli LillyTirzepatid (GIP + GLP-1), Spritze wöchentlich, 5–15 mgAdipositas Typ-2-Diabetesca. 21 % mit 15 mg nach 72 Wochen (Placebo 3,1 %)7Kann die Wirkung der Pille verringern – zusätzliche Verhütung nötig
Foundayo®Eli LillyOrforglipron (GLP-1), Tablette täglichin Prüfungca. 12 % nach 72 Wochen12In USA (April 2026) und Großbritannien (August 2026) zugelassen, in der EU noch nicht

* Ergebnisse aus den Zulassungsstudien, jeweils zusätzlich zu Ernährungs- und Bewegungsprogrammen. Studien lassen sich wegen unterschiedlicher Dauer und Teilnehmenden nur eingeschränkt vergleichen; im direkten Vergleich (SURMOUNT-5) verloren Teilnehmende mit Tirzepatid im Mittel 20,2 %, mit Semaglutid 13,7 %.8 Individuelle Ergebnisse können deutlich abweichen. Die Nennung von Präparaten dient der sachlichen Information und ist keine Empfehlung; welche Therapie passt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärzt:in.

Die Präparate im Detail

Wegovy® (Semaglutid)Novo Nordisk, Spritze wöchentlich oder Tablette täglich
Für wen?
Erwachsene mit BMI ab 30 oder ab 27 mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung; Jugendliche ab 12 Jahren mit Adipositas.
Anwendung
Einmal pro Woche unter die Haut, am selben Wochentag. Die Dosis steigt alle 4 Wochen über 0,25 – 0,5 – 1 – 1,7 mg bis 2,4 mg. Seit Februar 2026 ist in der EU zusätzlich eine Erhaltungsdosis von 7,2 mg zugelassen, wenn nach mindestens 4 Wochen mit 2,4 mg eine weitere Abnahme nötig ist.
Als Tablette
Seit 15. Juli 2026 gibt es Semaglutid als Wegovy-Tablette (25 mg, einmal täglich, mit schrittweiser Aufdosierung). Die Einnahme erfolgt morgens nüchtern mit höchstens einem halben Glas Wasser.
Studienlage
STEP 1: ca. 15 % Gewichtsabnahme nach 68 Wochen.5 SELECT: 20 % weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle und Herz-Kreislauf-Todesfälle bei Menschen mit Herzerkrankung und Übergewicht ohne Diabetes.9
Ozempic® (Semaglutid)Novo Nordisk, Spritze wöchentlich, nur bei Typ-2-Diabetes
Für wen?
Erwachsene mit unzureichend eingestelltem Typ-2-Diabetes.
Anwendung
Einmal pro Woche, Dosis schrittweise von 0,25 mg bis maximal 2 mg.
Zum Abnehmen?
Ozempic enthält denselben Wirkstoff wie Wegovy, ist aber nicht zur Behandlung von Adipositas zugelassen. Eine Verschreibung zum Abnehmen wäre ein sogenannter Off-Label-Use außerhalb der Zulassung. Für die Gewichtsbehandlung gibt es mit Wegovy ein Präparat, das genau dafür geprüft und dosiert ist. In den vergangenen Jahren kam es zudem wiederholt zu Lieferengpässen, die Menschen mit Diabetes betrafen.
Saxenda® (Liraglutid)Novo Nordisk, Spritze täglich
Für wen?
Erwachsene mit BMI ab 30 oder ab 27 mit Begleiterkrankung; Jugendliche ab 12 Jahren mit Adipositas.
Anwendung
Einmal täglich unter die Haut. Start mit 0,6 mg, wöchentliche Steigerung um 0,6 mg bis zur Erhaltungsdosis von 3,0 mg.
Studienlage
SCALE: ca. 8 % Gewichtsabnahme nach 56 Wochen.6 Laut EU-Produktinformation sollte die Behandlung beendet werden, wenn nach 12 Wochen mit 3,0 mg weniger als 5 % abgenommen wurden.15
Gut zu wissen
Da der Patentschutz für Liraglutid abgelaufen ist, sind in einigen EU-Ländern bereits günstigere Generika erhältlich. Fragen Sie in Ihrer Apotheke nach dem aktuellen Stand in Österreich.
Mounjaro® (Tirzepatid)Eli Lilly, Spritze wöchentlich
Für wen?
Erwachsene mit Typ-2-Diabetes sowie Erwachsene mit BMI ab 30 oder ab 27 mit Begleiterkrankung.
Anwendung
Einmal pro Woche. Start mit 2,5 mg für 4 Wochen, dann Steigerung in 2,5-mg-Schritten alle mindestens 4 Wochen. Erhaltungsdosis 5, 10 oder 15 mg.
Wirkprinzip
Als erster zugelassener Wirkstoff aktiviert Tirzepatid zwei Hormonrezeptoren: GIP und GLP-1.
Studienlage
SURMOUNT-1: im Mittel ca. 21 % Gewichtsabnahme mit 15 mg nach 72 Wochen.7
Wichtig
Tirzepatid kann die Wirkung der Antibabypille abschwächen. Verwenden Sie in den ersten 4 Wochen und nach jeder Dosiserhöhung zusätzlich ein Barriere-Verhütungsmittel wie Kondome.15
Orforglipron (Foundayo®)Eli Lilly, Tablette täglich, in der EU noch nicht zugelassen
Status
In den USA seit April 2026 und in Großbritannien seit August 2026 zugelassen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) prüft den Antrag derzeit. In Österreich ist Orforglipron daher noch nicht regulär erhältlich.
Besonderheit
Anders als bei Semaglutid-Tabletten gibt es keine Vorgaben zur nüchternen Einnahme.
Studienlage
ATTAIN-1: ca. 12 % Gewichtsabnahme mit der höchsten Dosis nach 72 Wochen.12

Nebenwirkungen und sichere Anwendung

Die meisten Beschwerden sind mild, treten zu Beginn auf und werden mit der Zeit weniger. Langsames Aufdosieren hilft dabei.

Häufig, vor allem in den ersten Wochen

  • Übelkeit, Völlegefühl, Aufstoßen
  • Durchfall oder Verstopfung
  • Erbrechen, Sodbrennen
  • Müdigkeit, Kopfschmerzen

Was hilft: kleinere Portionen, langsam essen, aufhören, sobald Sie satt sind, fettreiche Speisen meiden und ausreichend trinken.

Muskeln schützen

Beim Abnehmen geht auch Muskelmasse verloren. Achten Sie auf genug Eiweiß bei jeder Mahlzeit und bauen Sie Krafttraining ein – schon zwei Einheiten pro Woche machen einen Unterschied.

Selten, aber wichtig

  • Starke, anhaltende Bauchschmerzen, die in den Rücken ziehen: Das kann auf eine Bauchspeicheldrüsenentzündung hinweisen. Suchen Sie sofort ärztliche Hilfe.
  • Gallensteine, besonders bei schneller Gewichtsabnahme.
  • Flüssigkeitsmangel bei Erbrechen oder Durchfall, was die Nieren belasten kann.
  • Plötzliche Sehverschlechterung: Die EMA stuft eine bestimmte Sehnerv-Erkrankung (NAION) als sehr seltene Nebenwirkung von Semaglutid ein.16
  • Unterzucker, wenn Sie zusätzlich Insulin oder Sulfonylharnstoffe nehmen.

Informieren Sie vor Operationen oder Magenspiegelungen das Behandlungsteam, dass Sie ein solches Medikament nehmen. Bei Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit sind die Präparate nicht geeignet – planen Sie das rechtzeitig mit Ihrer Ärzt:in.

Achtung vor Fälschungen

Auch in Österreich wurden bereits gefälschte „Abnehmspritzen“ entdeckt, die zu schweren Gesundheitsschäden geführt haben. Alle genannten Präparate sind verschreibungspflichtig. Beziehen Sie sie nur mit Rezept aus einer Apotheke – niemals über soziale Medien, Messenger-Gruppen oder Websites ohne Apotheken-Sicherheitslogo.

Nebenwirkungen können Sie selbst beim Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen melden: basg.gv.at.

Was kostet die Behandlung in Österreich?

Kurz gesagt

Bei Adipositas ohne Diabetes übernehmen die Krankenkassen die Medikamente derzeit nicht. Sie zahlen sie privat.17

Grund ist eine über 20 Jahre alte Regelung im Sozialversicherungsrecht, die Arzneimittel zur Gewichtsreduktion von der Erstattung ausschließt. Am 9. September 2026 haben die Ärztekammern Wien und Niederösterreich gemeinsam mit der ÖAG in einem offenen Brief an das Gesundheitsministerium gefordert, das zu ändern.17

Bei Typ-2-Diabetes können einzelne Wirkstoffe wie Semaglutid (Ozempic) oder Tirzepatid (Mounjaro) unter bestimmten Voraussetzungen und meist nach chefärztlicher Bewilligung von der Kasse bezahlt werden. Eine Adipositas-Operation wird bei erfüllten Kriterien in der Regel übernommen.

Richtwerte für Selbstzahler:innen

140 – 581 €

pro Monat, je nach Präparat und Dosis.17 Die Startdosen sind meist günstiger als die Erhaltungsdosen. Rechnen Sie mit einer Behandlung über mindestens ein bis zwei Jahre.

Fragen Sie Ihre Ärzt:in, ob Ihre Begleiterkrankungen eine Kostenübernahme ermöglichen, und bei einer privaten Zusatzversicherung nach deren Bedingungen.

Kleine Schritte, die im Alltag tragen

Ob mit oder ohne Medikamente: Diese Gewohnheiten helfen Ihrem Körper und machen Erfolge dauerhafter.

Niemand muss alles auf einmal ändern. Suchen Sie sich eine Gewohnheit aus, die sich für Sie gut anfühlt, und bauen Sie darauf auf.

Eine lächelnde Frau mit Kopfhörern geht mit Smartphone und Yogamatte über eine Brücke.

Eiweiß zuerst

Starten Sie jede Mahlzeit mit einer Eiweißquelle wie Hülsenfrüchten, Topfen, Fisch, Eiern oder magerem Fleisch. Das sättigt lange und schützt Ihre Muskeln.

Bewegung, die Spaß macht

Ziel sind etwa 150 Minuten pro Woche. Ein flotter Spaziergang im Park zählt genauso wie Radfahren, Schwimmen oder Tanzen. Beginnen Sie mit 10 Minuten.

Gut schlafen

Sieben bis neun Stunden Schlaf regulieren Hungerhormone. Schlafapnoe sollten Sie ärztlich abklären lassen – sie macht müde und hungrig.

Erfolge jenseits der Waage

Leichter Stiegen steigen, besser schlafen, niedrigerer Blutdruck, bequemere Kleidung: Notieren Sie, was sich verändert. Das motiviert mehr als jede Zahl.

Hilfe annehmen

Diätolog:innen, Psychotherapeut:innen und Selbsthilfegruppen begleiten Sie. Wenn Essen stark mit Gefühlen verbunden ist, ist psychologische Unterstützung ein wichtiger Teil der Behandlung.

Freundlich mit sich sein

Rückschläge gehören zu jeder chronischen Krankheit. Ein schwieriger Tag macht Ihren Fortschritt nicht zunichte – der nächste Schritt zählt.

Eine Frau betrachtet sich nachdenklich in einem Standspiegel in ihrer hellen Wohnung.

Worte wirken – auch die eigenen

Stigmatisierung macht krank und hält Menschen davon ab, Hilfe zu suchen. Das gilt auch für die Worte, die wir uns selbst vor dem Spiegel sagen. Sprache kann das ändern – zu Hause, im Freundeskreis und in der Ordination.

Worte, die verletzen
  • „die Adipösen“
  • „Reiß dich zusammen“
  • „Iss einfach weniger“
Worte, die stärken
  • „Menschen mit Adipositas“
  • „Wie kann ich dich unterstützen?“
  • „Adipositas ist behandelbar“
Eine Ärztin hört einem Patienten mit Adipositas in der Ordination mit dem Stethoskop die Brust ab.

Ihr Gespräch mit der Ärzt:in vorbereiten

Viele Menschen trauen sich nicht, ihr Gewicht anzusprechen – und viele Ärzt:innen warten darauf, dass Sie es tun. Ein einfacher Satz öffnet die Tür:

„Ich möchte über mein Gewicht sprechen und darüber, welche Behandlung für mich infrage kommt.“

Ihre erste Anlaufstelle ist die Hausärzt:in. Weiter helfen Fachärzt:innen für Innere Medizin oder Endokrinologie und spezialisierte Adipositas-Ambulanzen an Krankenhäusern. Rund um die Uhr berät die Gesundheitsnummer 1450.

Das nehme ich mit
Das möchte ich fragen
Mein persönliches Ziel

Häufige Fragen

Ab welchem BMI spricht man von Adipositas?

Ab einem Body-Mass-Index von 30 kg/m². Unterschieden werden Grad I (30–34,9), Grad II (35–39,9) und Grad III (ab 40). Zusätzlich sind Taillenumfang, Begleiterkrankungen und Lebensqualität wichtig.

Ist Adipositas eine Krankheit?

Ja. Die Weltgesundheitsorganisation und die Österreichische Adipositas Gesellschaft stufen Adipositas als chronische, fortschreitende Erkrankung ein. Sie entsteht aus einem Zusammenspiel von Genen, Hormonen, Umfeld und Lebensumständen und ist keine Frage mangelnder Willenskraft.

Was ist der Unterschied zwischen Wegovy und Ozempic?

Beide enthalten Semaglutid von Novo Nordisk. Wegovy ist zur Behandlung von Adipositas zugelassen, bis 2,4 mg bzw. 7,2 mg pro Woche und seit Juli 2026 auch als Tablette. Ozempic ist nur für Typ-2-Diabetes zugelassen, mit einer Höchstdosis von 2 mg.

Wie wirkt Mounjaro (Tirzepatid)?

Tirzepatid von Eli Lilly ahmt zwei Darmhormone nach, GIP und GLP-1. Es verstärkt das Sättigungsgefühl, verlangsamt die Magenentleerung und verbessert den Blutzucker. In der Studie SURMOUNT-1 verloren Teilnehmende mit der höchsten Dosis im Mittel rund 21 Prozent ihres Körpergewichts.

Zahlt die Krankenkasse in Österreich die Abnehmspritze?

Bei Adipositas ohne Diabetes derzeit nicht. Die Kosten liegen je nach Präparat und Dosis bei etwa 140 bis 581 Euro pro Monat. Bei Typ-2-Diabetes können einzelne Wirkstoffe unter bestimmten Voraussetzungen erstattet werden. Ärztekammern und die Adipositas Gesellschaft fordern seit September 2026 eine reguläre Erstattung.

Was passiert, wenn ich die Medikamente absetze?

Ohne weitere Behandlung nimmt ein großer Teil der Menschen wieder zu. In einer Studie war nach einem Jahr ohne Semaglutid rund zwei Drittel des verlorenen Gewichts zurück. Adipositas wird daher als Langzeiterkrankung behandelt.13

Welche Nebenwirkungen sind häufig?

Am häufigsten sind Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Erbrechen und Völlegefühl, vor allem in den ersten Wochen und nach Dosiserhöhungen. Seltener, aber wichtig: Gallensteine, Bauchspeicheldrüsenentzündung und Flüssigkeitsmangel.

Gibt es die Behandlung auch als Tablette?

Ja. Seit 15. Juli 2026 ist Semaglutid als Wegovy-Tablette (25 mg täglich) in der EU zugelassen. Orforglipron von Eli Lilly ist in den USA und Großbritannien zugelassen, in der EU wird es derzeit noch geprüft.

Wie viel muss ich abnehmen, damit es meiner Gesundheit hilft?

Schon 5 Prozent weniger Körpergewicht verbessern Blutdruck, Blutzucker und Blutfette. Ab 10 Prozent profitieren oft Schlafapnoe, Gelenke und Fettleber, ab 15 Prozent kann ein Typ-2-Diabetes in Remission gehen.14

An wen kann ich mich in Österreich wenden?

Erste Anlaufstelle ist Ihre Hausärzt:in. Weiter helfen Fachärzt:innen für Innere Medizin oder Endokrinologie, Adipositas-Ambulanzen an Krankenhäusern, Diätolog:innen und Psychotherapeut:innen. Die Gesundheitsnummer 1450 berät rund um die Uhr.

Quellen

  1. Brix JM et al. Konsensuspapier der Österreichischen Adipositas Gesellschaft (ÖAG) zur Diagnostik und Therapie der Adipositas bei Erwachsenen 2025. Wien Klin Wochenschr. 2025;137(Suppl 5):167–217. doi:10.1007/s00508-025-02568-w
  2. Dorner TE et al. Steady increase of obesity prevalence in Austria: analysis of three representative cross-sectional national health interview surveys from 2006 to 2019. Wien Klin Wochenschr. 2023;135:125–133. doi:10.1007/s00508-022-02032-z
  3. World Health Organization. Guideline on the use of GLP-1 therapies for the treatment of obesity in adults. Genf 2025.
  4. McGowan B et al. Framework for the pharmacological treatment of obesity and its complications from the European Association for the Study of Obesity (EASO). Nat Med. 2025;31:3229–3232.
  5. Wilding JPH et al. Once-weekly semaglutide in adults with overweight or obesity (STEP 1). N Engl J Med. 2021;384:989–1002.
  6. Pi-Sunyer X et al. A randomized, controlled trial of 3.0 mg of liraglutide in weight management (SCALE). N Engl J Med. 2015;373:11–22.
  7. Jastreboff AM et al. Tirzepatide once weekly for the treatment of obesity (SURMOUNT-1). N Engl J Med. 2022;387:205–216.
  8. Aronne LJ et al. Tirzepatide as compared with semaglutide for the treatment of obesity (SURMOUNT-5). N Engl J Med. 2025.
  9. Lincoff AM et al. Semaglutide and cardiovascular outcomes in obesity without diabetes (SELECT). N Engl J Med. 2023;389:2221–2232.
  10. STEP UP-Studie zu Semaglutid 7,2 mg; EU-Zulassung durch die Europäische Kommission, Februar 2026.
  11. OASIS 4-Studie zu oralem Semaglutid 25 mg; EU-Zulassung der Wegovy-Tablette am 15. Juli 2026.
  12. Wharton S et al. Orforglipron, an oral small-molecule GLP-1 receptor agonist, in adults with obesity (ATTAIN-1). N Engl J Med. 2025. Zulassung MHRA (UK) am 10. August 2026.
  13. Wilding JPH et al. Weight regain and cardiometabolic effects after withdrawal of semaglutide: the STEP 1 trial extension. Diabetes Obes Metab. 2022;24:1553–1564.
  14. Ryan DH, Yockey SR. Weight loss and improvement in comorbidity: differences at 5 %, 10 %, 15 %, and over. Curr Obes Rep. 2017;6:187–194.
  15. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Produktinformationen (EPAR) zu Wegovy, Ozempic, Saxenda und Mounjaro. ema.europa.eu
  16. EMA, Pharmakovigilanz-Ausschuss (PRAC). Semaglutid: NAION als sehr seltene Nebenwirkung. Juni 2025.
  17. Ärztekammer für Wien, Ärztekammer für Niederösterreich und ÖAG. Offener Brief zur Erstattung der Adipositastherapie, 9. September 2026.
  18. World Health Organization. Obesity: preventing and managing the global epidemic. WHO Technical Report Series 894. Genf 2000.
  19. Loos RJF, Yeo GSH. The genetics of obesity: from discovery to biology. Nat Rev Genet. 2022;23:120–133.
  20. Sumithran P et al. Long-term persistence of hormonal adaptations to weight loss. N Engl J Med. 2011;365:1597–1604.